Wir machen durch bis morgen früh

Eine der ältesten bekannten biochemischen Reaktionen ist die Vergärung von Zucker zu Ethanol. So scheint die Herstellung und auch der Konsum von Alkohol annähernd so alt zu sein wie die Menschheit selbst. Im deutschen Sprachschatz finden sich wahrscheinlich auch deshalb zu keinem anderen Thema mehr Umschreibungen, häufig verbunden mit Verniedlichungen, wie zum Oberbegriff Alkoholrausch. Hierbei gibt es mehrere Kategorien, die von leicht betrunken, betrunken bis hin zu rattenvoll reichen. In Kategorie 1 finden sich, neben „angenebelt“, „angetütert“, „angesäuselt“, „angeduselt“, oder „angeheitert“, bevorzugt mit der Vorsilbe „an-“ die Bezeichnungen für einen leichten Rausch. Wer es etwas deftiger mag, wirft einen Blick in Kategorie 2. Hier hat man bereits den „Kanal voll“, „einen im Tee“, „schwer geladen“, „einen in der Krone“, „einen in der Mütze“, „einen sitzen“, „Öl am Hut“, „ein Glas zu viel“ oder „einen hängen“. In der Formulierung zeigt sich bei Kategorie 2 deutlich, dass man etwas hat. In der Kategorie 3 hat man nicht mehr,  sondern man ist. Man ist „voll wie ein Sack“, „rotzbesoffen“, „voll bis Oberkante Unterlippe“, „hackedicht“, „voll wie 1000 Russen“, „lattenstramm“, „stockbesoffen“, oder „sturzbesoffen“. Haben oder Sein wäre demnach die Frage, die auch sprachlich den Rückschluss auf den Zustand zulässt, oder wie es Maria von Ebner-Eschenbach so ernüchternd formuliert hat:

„Wir unterschätzen das, was wir haben und überschätzen das, was wir sind“

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2 Kommentare zu “Wir machen durch bis morgen früh

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