Textilfreie Tatsachen

Der Euphemismus oder die Beschönigung ist ein sprachlicher Ausdruck, der Personen, Gruppen, Sachverhalte oder Gegenstände mildernd darstellt oder in besserem Licht erscheinen lässt. Beliebt ist der Euphemismus allerdings auch, wenn es um die Verhüllung eines Sachverhaltes geht. So bezeichnet man Giftmüll gerne als Sonderabfall, Luftverschmutzung als Schadstoffemission, Kriegsplanung als Sicherheitspolitik, staatliche  Überwachung als innere Sicherheit und Lebensgefahr als Restrisiko. Im gesellschaftlichen werden wir nicht mehr alt, wir werden reifer, kommen in die Jahre und landen auch nicht mehr im Altersheim sondern in der Seniorenresidenz. Der Arme ist nicht arm, sondern sozial schwach, der Arbeitslose ist arbeitssuchend und das nicht weil er entlassen wurde, sondern weil er an einer Betriebsoptimierung teilgenommen hat. Laufende Aufwendungen für die Gesundheitskasse werden dann jedenfalls von der Arbeitsagentur übernommen. Wer Schulden hat ist fremdfinanziert, hat allerdings keine Probleme sondern Verbesserungspotential. Dummheit ist eine kognitive Herausforderung, während bei kleinen Menschen die Herausforderung vertikal stattfindet. Bettler putzen Klinken und Herumreisende ohne festen Wohnsitz werden zum Rotationseuropäer. Ob die Entwicklung der Beschönigung nun als suboptimal oder subskurril zu sehen ist, bleibt jedem selbst überlassen. Ich halte es da lieber mit den Worten von Yves Montand, der ohne es zu beschönigen sagte:

„In der Politik ist es wie im täglichen Leben: Man kann eine Krankheit nicht dadurch heilen, dass man das Fieberthermometer versteckt.“

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