Wir haben´s doch

Ein großer Bestandteil der mittlerweile bei uns gebräuchlichen Wörter wurde aus anderen Sprachen entlehnt oder übernommen. Auch wenn uns der regelmäßige Gebrauch dieser Lehnwörter die Herkunft nicht mehr erkennen lässt, so bleiben sie dennoch fremd.  Die Gegenbewegung hierzu ist die Verdeutschung, oder die Ermittlung der deutschen Entsprechung für Fremdwörter. Hier ist besonders Philip von Zesen erwähnenswert, der bereits im 17 Jhd. erfolgreich verdeutschte. Ihm haben wir z.B. Augenblick für Moment, Ausflug für Exkursion, Farbgebung für Kolorit oder Weltall für Universum zu verdanken. Mehr als 30 Wörter hat von Zesen verdeutscht. Und es wären noch mehr geworden, hätte man all seine Vorschläge übernommen. Dass uns deshalb Wörter wie Blitzfeuererregung für Elektrizität oder Dörrleiche als Ersatz für Mumie erspart geblieben sind,  könnte Fluch und Segen zugleich sein. Andererseits muss man Begriffen wie Lotterbett für Sofa, Krautbeschreiber für Botaniker oder Tageleuchter für Fenster keine besonderen Erklärungen mehr hinzufügen. Auch ein Spitzgebäude als Ersatz für Pyramide oder ein Meuchelpuffer als Alternative zur Pistole hat nicht nur informatives sondern auch kurioses. Hätte man Philip von Zesen gewähren lassen, wäre heute der Weiberhof für Harem oder der Jungfernzwinger für Kloster gebräuchlich, insofern sie nicht dem Gleichstellungsgesetz zum Opfer gefallen wären. Entlehnen wir diesbezüglich doch lieber die Worte von Luis Buñuel, der es so eindeutig auf den Punkt brachte:

„Mancher lehnt eine gute Idee bloß deshalb ab, weil sie nicht von ihm ist.“

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